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Ungewöhnliche essbare Pflanzen: 4 besondere Arten mit veganen Rezeptideen

Ungewöhnliche essbare Pflanzen und Gemüse werden auf einem Gartentisch für vegane Gerichte vorbereitet.

Spinat, Kartoffeln und Kohl gehören in vielen Küchen zum Alltag. Daneben gibt es essbare Pflanzen, die hierzulande kaum bekannt sind: Gemüse wächst an Bäumen, rankt über mehrere Jahre an einer Kletterhilfe oder bildet kleine, geringelte Knollen unter der Erde.

Vier besonders interessante Beispiele sind der Chinesische Gemüsebaum, der Kaukasische Rankspinat, der Knollenziest und der Meerkohl. Alle vier lassen sich pflanzlich zubereiten. Im normalen Supermarkt sind sie allerdings selten zu finden. Meist stammen sie aus dem eigenen Garten, aus spezialisierten Gärtnereien oder aus einem entsprechend sortierten Handel.

Die Pflanzen haben unterschiedliche Erntezeiten. Dieser Beitrag ist daher keine saisonale Einkaufsliste, sondern eine Vorstellung ungewöhnlicher Gemüsearten mit einfachen Ideen für ihre Verwendung.

Wichtiger Hinweis: Verzehrt werden ausschließlich eindeutig bestimmte Pflanzen und die jeweils genannten Pflanzenteile. Fotos im Internet und das Artikelbild sind keine Bestimmungshilfe. Wer eine Pflanze nicht sicher kennt, sollte sie nicht probieren.


Die vier Pflanzen im Überblick

PflanzeVerwendeter PflanzenteilEinfache Verwendung
Chinesischer Gemüsebaumjunge Blätter und Triebemit Tofu kurz anbraten
Kaukasischer Rankspinatjunge Triebe und Blätterblanchieren und mit Kartoffeln servieren
Knollenziestkleine unterirdische Knollenvorkochen und knusprig braten
Meerkohlgebleichte Triebe, junge Blätter und junge Blütenständekochen oder wie junges Kohlgemüse zubereiten

1. Chinesischer Gemüsebaum: Gemüse wächst auch auf Bäumen

Der Chinesische Gemüsebaum trägt den botanischen Namen Toona sinensis. Sein natürliches Verbreitungsgebiet reicht vom indischen Subkontinent über Teile Chinas bis nach Südostasien. Botanisch handelt es sich tatsächlich um einen Baum, der ohne regelmäßigen Rückschnitt sehr groß werden kann. Seine gefiederten Blätter bestehen aus zahlreichen länglichen Einzelblättchen.

Für die Küche werden nicht die älteren Blätter verwendet, sondern die jungen, zarten Austriebe. Sie können im Frühjahr bronzefarben bis rötlich erscheinen. In China werden diese jungen Blätter und Triebe traditionell als Gemüse genutzt. Ihr kräftiges Aroma wird häufig als zwiebelartig beschrieben. Verarbeitet werden sie unter anderem in Pfannengerichten, eingelegt oder als Würzzutat. Damit die Triebe gut erreichbar bleiben, werden die Bäume im Anbau häufig niedrig gehalten.

Der Geschmack ist deutlich eigenständiger als bei gewöhnlichem Blattgemüse. Deshalb sollte der Gemüsebaum nicht wie eine große Portion Spinat eingesetzt werden. Schon eine kleinere Menge kann einem Gericht einen ausgeprägten Charakter geben.

Vegane Rezeptidee: Tofu mit jungen Toona-Trieben

Für 2 Portionen

Zutaten

  • 200 g fester Naturtofu

  • etwa 50 g junge, eindeutig bestimmte Toona-Triebe

  • 1 EL Rapsöl

  • 1 TL Sojasauce

  • 1 TL Sesam

  • 1 TL Zitronensaft oder milder Reisessig

  • schwarzer Pfeffer

Zubereitung

  1. Die jungen Triebe gründlich waschen und grobe Stielstücke entfernen.

  2. Die Triebe für etwa eine Minute in kochendes Wasser geben. Anschließend abgießen, kalt abschrecken und grob schneiden.

  3. Den Tofu trocken tupfen und in kleine Würfel schneiden.

  4. Das Öl in einer Pfanne erhitzen und den Tofu von mehreren Seiten goldbraun braten.

  5. Die vorbereiteten Toona-Triebe hinzugeben und kurz mitbraten.

  6. Mit Sojasauce, Zitronensaft und etwas Pfeffer abschmecken.

  7. Vor dem Servieren mit Sesam bestreuen.

Dazu passen Reis oder schlichte gebratene Nudeln. Aufgrund des intensiven Aromas sollte beim ersten Versuch eher sparsam dosiert werden.


2. Kaukasischer Rankspinat: mehrjähriges Blattgemüse für die Höhe

Der Kaukasische Rankspinat heißt botanisch Hablitzia tamnoides. Er ist kein echter Spinat, sondern eine mehrjährige krautige Kletterpflanze. Sie kann mehrere Meter hoch wachsen und trägt charakteristische herzförmige Blätter. Essbar sind die jungen Triebe und Blätter. Die Pflanze gedeiht sowohl an sonnigen als auch an halbschattigen Standorten.

Anders als viele klassische Gemüsearten muss sie nicht jedes Jahr neu ausgesät werden. Im Winter zieht sie oberirdisch ein und treibt anschließend wieder aus. Eine stabile Rankhilfe ist sinnvoll, da ältere Pflanzen kräftig wachsen können.

In der Küche lassen sich die jungen Blätter ähnlich wie anderes Blattgemüse verwenden. Für ein unkompliziertes Gericht werden sie kurz blanchiert. Dadurch verlieren sie Volumen und können anschließend mit Kartoffeln, Hülsenfrüchten oder Getreide kombiniert werden.

Vegane Rezeptidee: Rankspinat mit Kartoffeln und Senfdressing

Für 2 Portionen

Zutaten

  • 400 g kleine Kartoffeln

  • etwa 120 g junge Blätter und zarte Triebe des Kaukasischen Rankspinats

  • 1 EL Rapsöl

  • 1 EL Zitronensaft

  • 1 TL mittelscharfer Senf

  • 1 TL Ahornsirup oder Apfeldicksaft

  • 2 EL geröstete Sonnenblumenkerne

  • Salz

  • schwarzer Pfeffer

Zubereitung

  1. Die Kartoffeln gründlich waschen und in Salzwasser gar kochen.

  2. Rankspinat waschen und dickere oder zähe Stielstücke entfernen.

  3. Die Blätter für etwa zwei Minuten in kochendem Wasser blanchieren.

  4. Abgießen, kalt abschrecken und vorsichtig ausdrücken.

  5. Aus Rapsöl, Zitronensaft, Senf und Ahornsirup ein Dressing rühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

  6. Die warmen Kartoffeln halbieren und mit dem Rankspinat anrichten.

  7. Das Dressing darübergeben und mit den Sonnenblumenkernen bestreuen.

Das Gericht funktioniert warm ebenso wie lauwarm. Weiße Bohnen oder Kichererbsen machen daraus eine sättigendere Mahlzeit.


3. Knollenziest: kleine Knollen mit ungewöhnlicher Form

Der Knollenziest trägt den botanischen Namen Stachys affinis. Weitere Bezeichnungen sind Chinesische Artischocke und Crosne. Die mehrjährige krautige Pflanze bildet unter der Erde kleine, helle Knollen mit auffälligen ringförmigen Einschnürungen. Genau diese Knollen werden gegessen. Sie können roh, gekocht oder eingelegt verwendet werden.

Knollenziest ist optisch unverwechselbar und benötigt in der Küche kaum Vorbereitung. Die dünne Schale muss normalerweise nicht aufwendig entfernt werden. Gründliches Waschen und Abbürsten ist wichtiger, weil sich zwischen den einzelnen Ringen Erde festsetzen kann.

Die Knollen behalten beim kurzen Garen etwas Biss. Damit eignen sie sich gut für Pfannengerichte, Salate oder als ungewöhnliche Beilage. Wer Knollenziest selbst anbaut, sollte bedenken, dass selbst kleine Knollenreste im Boden erneut austreiben können.

Vegane Rezeptidee: Gebratener Knollenziest mit Petersilie

Für 2 Portionen als Beilage

Zutaten

  • 300 g Knollenziest

  • 1 EL Rapsöl

  • 1 kleine Knoblauchzehe

  • 2 EL gehackte Petersilie

  • 1 TL Zitronensaft

  • Salz

  • schwarzer Pfeffer

Zubereitung

  1. Den Knollenziest unter fließendem Wasser sehr gründlich abbürsten.

  2. Die Knollen in leicht gesalzenem Wasser etwa fünf Minuten vorkochen.

  3. Abgießen und gut abtropfen lassen.

  4. Das Öl in einer Pfanne erhitzen und den Knollenziest darin etwa acht Minuten anbraten. Die Knollen zwischendurch wenden.

  5. Knoblauch fein hacken und erst während der letzten Minute hinzugeben, damit er nicht verbrennt.

  6. Petersilie unterheben und das Gericht mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken.

Gebratener Knollenziest passt zu Salat, Ofengemüse oder einer cremigen Bohnenbasis. Für ein vollständiges Hauptgericht kann er auch mit Linsen und gebratenen Pilzen kombiniert werden.


4. Meerkohl: fast vergessenes Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler

Der Meerkohl heißt botanisch Crambe maritima. Er ist eine ausdauernde Pflanze mit großen, fleischigen, blaugrünen Blättern. Die Blattränder sind gelappt und wellig. Im Garten bildet die Pflanze mit der Zeit kräftige Horste.

Traditionell werden vor allem die jungen Triebe verwendet. Häufig werden sie einige Wochen unter Lichtabschluss angetrieben. Dieses sogenannte Bleichen macht die Austriebe heller und milder. Auch die jungen Blätter sind gekocht essbar. Junge Blütenstände können ähnlich wie Sprossenbrokkoli zubereitet werden.

Für die Küche sollten ausschließlich gekaufte oder selbst angebaute Pflanzen verwendet werden. Wilde Bestände gehören nicht in den Einkaufskorb. Das ist auch deshalb wichtig, weil eine falsche Bestimmung bei unbekannten Pflanzen nie ausgeschlossen werden kann.

Vegane Rezeptidee: Meerkohl mit Zitronenbröseln

Für 2 Portionen als Beilage

Zutaten

  • etwa 250 g junge Meerkohltriebe oder junge Blätter

  • 2 EL Semmelbrösel

  • 1½ EL Rapsöl

  • 1 TL fein abgeriebene Schale einer unbehandelten Zitrone

  • 1 TL Zitronensaft

  • Salz

  • schwarzer Pfeffer

Zubereitung

  1. Den Meerkohl sorgfältig waschen. Bei jungen Blättern dicke Stiele gegebenenfalls entfernen oder klein schneiden.

  2. Die Triebe oder Blätter in leicht gesalzenem Wasser wenige Minuten garen, bis sie weich genug sind, aber noch Struktur besitzen.

  3. Abgießen und gut abtropfen lassen.

  4. Einen Esslöffel Öl in einer Pfanne erhitzen und die Semmelbrösel darin goldbraun rösten.

  5. Zitronenschale unter die Brösel mischen und die Pfanne vom Herd nehmen.

  6. Den Meerkohl mit dem restlichen Öl und etwas Zitronensaft vermengen.

  7. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und die gerösteten Zitronenbrösel darübergeben.

Die Zitronenbrösel passen auch zu anderen milden Kohlgemüsen. So lässt sich die Zubereitungsart zunächst ausprobieren, selbst wenn kein Meerkohl erhältlich ist.


Warum ungewöhnliche Gemüsearten interessant sind

Diese vier Pflanzen zeigen, dass pflanzliche Küche nicht auf wenige bekannte Gemüsearten beschränkt ist. Manche essbaren Pflanzen liefern über mehrere Jahre neue Triebe. Andere bilden Knollen, die im Handel fast vollständig verschwunden sind. Wieder andere werden in anderen Regionen seit langer Zeit als Gemüse genutzt, obwohl sie bei uns hauptsächlich als Zier- oder Sammlerpflanze bekannt sind.

Dabei bedeutet „ungewöhnlich“ nicht automatisch „besser“. Die Pflanzen sind häufig schwieriger zu beschaffen, haben kurze Erntezeiträume oder benötigen im Garten mehrere Jahre, bis sie sich gut entwickelt haben. Gerade deshalb sollte ein Rezept ehrlich mit der Verfügbarkeit umgehen.

Es ist sinnvoller, eine sicher bestimmte Pflanze bewusst kennenzulernen, als unbekannte Blätter oder Triebe auf Verdacht zu sammeln.


Welche Pflanze eignet sich für wen?

Für einen unkomplizierten Einstieg:

Knollenziest ist in der Küche am einfachsten zu verarbeiten. Die Knollen werden geputzt, gekocht oder gebraten und benötigen keine komplizierte Technik.

Für einen mehrjährigen Gemüsegarten:

Kaukasischer Rankspinat ist interessant, wenn ausreichend Platz für eine dauerhafte Rankhilfe vorhanden ist.

Für experimentierfreudige Gärtner:

Der Chinesische Gemüsebaum bietet ein sehr eigenständiges Aroma, benötigt langfristig aber Platz und regelmäßigen Rückschnitt.

Für Liebhaber alter Gemüsearten:

Meerkohl ist eine besondere Kulturpflanze, deren Anbau und Ernte etwas Geduld verlangen.

Hinweis für Tierhalter: Dieser Beitrag bezieht sich ausschließlich auf die Verwendung in der menschlichen Ernährung. Aus der Essbarkeit für Menschen lässt sich keine Verträglichkeit für Katzen, Hunde oder andere Tiere ableiten.

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Quellen und weiterführende Informationen

Die botanischen Angaben, Hinweise zu essbaren Pflanzenteilen sowie Informationen zu Wuchs und Verwendung wurden anhand folgender Fachquellen geprüft:

  • Royal Botanic Gardens, Kew – Plants of the World Online: Toona sinensis
  • Royal Horticultural Society: Hablitzia tamnoides – Kaukasischer Rankspinat
  • Royal Horticultural Society: Stachys affinis – Knollenziest
  • Royal Horticultural Society: Crambe maritima – Meerkohl
  • Royal Horticultural Society: Crambe maritima ‘Lilywhite’ – Hinweise zu gebleichten Trieben und essbaren Pflanzenteilen

Die Rezeptideen wurden für diesen Beitrag redaktionell entwickelt. Sie setzen voraus, dass die verwendeten Pflanzen eindeutig bestimmt und für den Verzehr geeignet sind. Das Artikelbild dient der Illustration und nicht der Pflanzenbestimmung.

Stand der Quellenprüfung: Juli 2026